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Schulleben :: Schuljahr

Das „Hebel“ würdigt seinen Namensgeber zum 200. Todestag mit einer ebenso unterhaltsamen wie gehaltvollen Revue

Am Anfang stand - auf einer ganz gewöhnlichen Gesamtlehrerkonferenz im Schuljahr 2024/25 - die Frage unserer Schulleiterin Stefanie Müller an das Kollegium: Was machen wir als Hebel-Gymnasium anlässlich des 200. Todestages von Johann Peter Hebel und des 100. Namenstages des Hebel-Gymnasiums? Dass wir etwas machen wollten – und dass dieses etwas Heutiges werden sollte und etwas, was möglichst viele am Schulleben beteiligte Menschen involviert und engagiert, stand bald fest und recht schnell kristallisierte sich eine Gruppe aus Theater, Musik und Bildender Kunst heraus, die mit tausenden Ideen gemeinsam in eine Recherche und einen Austausch ging. Als Glückfall erwies sich, dass wir – mit finanzieller Unterstützung des Elternbeirats – mit Sabrina Lössl eine professionelle und sehr erfahrene Theaterfrau mit ins Boot nehmen konnten, die unseren Ideen, Wünschen und zum Teil auch recht unterschiedlichen ästhetischen Vorstellungen eine klare, runde und doch vielstimmige künstlerische Form gab. Zentral war für Sabrina Lössl der universale Kern von Hebels Texten: Sie verhandeln Themen, die uns Menschen über alle Zeiten hinweg betreffen: Hoffnung, Vergänglichkeit, Liebe, Verlust und Menschlichkeit – und diesen Kern sollten nicht nur die Theaterszenen sichtbar machen, sondern er sollte sich auch in der Auswahl der Songs, Lieder und Musikstücke zeigen.

Das Ensemble übertraf sich in dieser spartenübergreifenden Produktion selbst: 150 Schülerinnen und Schüler aus dem Unterstufen- und dem Oberstufenchor, aus dem Orchester, aus der Bildenden Kunst, aus der Theater-AG sowie dem „Literatur und Theater“-Kurs der Oberstufe brachten sich mit ihren Fertigkeiten kreativ ein. Über anderthalb Schuljahre lang suchten, disputierten, verhandelten und kooperierten die unterschiedlichsten am Schulleben beteiligten Gruppen, von den Lehrkräften über die Schulleitung, die Hausmeister bis zu den Technikern, bis ein harmonisches Ganzes entstand.

Im konzeptionellen Zentrum stand neben den Texten Hebels auch das Material Papier, das sich sowohl in den - von der Mode der Hebelzeit inspirierten - markanten Halsbinden und Manschetten (Kostüme: Kathrin Hoffmann) wiederfand als auch dem strukturgebenden Kalender, der sich im Bühnenbild, im musikalischen Rahmen der vier Jahreszeiten und den vier Kalendergeschichten sowie den muttersprachlich-alemannischen Jahreszeit-Gedichten (Vortrag: Lotta Bopp, Emilian Denzer, Merle Arend-Heidbrink, Greta Kollmar) spiegelte.

So erklangen neben Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ (Orchester: Brigitte Schnabel), Popklassiker wie „Here Comes the Sun“ von den Beatles oder „Money, Money, Money“ von ABBA (Chöre: Konstanze Franke und Stefan Meyer). Eine zeitgemäße Reminiszenz an den Kalender lieferte Jochen Knöller mit vier Kurzvideos, die im TikTok-Stil jahreszeitliche Backrezepte im Format „Baking with Ursula“ präsentierten, was vor allem vom jugendlichen Teil des Publikums mit viel Applaus bedacht wurde. Diese Influencerin, Ursula (Ludmilla Cybinski), hatte zusammen mit ihrer Assistentin Isolde (Malou Lindenberg) einen leibhaftigen Auftritt in der Kalendergeschichte „Das Mittagessen im Hof“, wodurch eine Parallele geschaffen wurde zwischen der Lebenswelt der Schüler:innen und Hebels Figuren. Insgesamt zeichneten sich alle vier Kalendergeschichten durch unterschiedliche Spielweisen und eine zeitgemäße postdramatische Bearbeitung aus (Theater-AG: Bearbeitung und Regie: Susanne Engler und Ulrike Wohlwender-Seng). Neben diesem modernen und zugleich verfremdenden Zugriff hatte der originale Johann Peter Hebel in seiner poetischen und zugleich rustikalen Sprache einen würdigen Platz in den Spielszenen, indem Malin Ginkel, Malou Lindenberg, Marlene Ehret, Emilie Alamouti und Illia Skrypnichenko in der Rolle des Erzählers das Geschehen begleiteten und Hebels Ton wunderbar trafen. Besonders erwähnt sei hier der jüngste Schauspieler Alvin Sula aus der 6. Klasse, der mit seiner krämerhaften Leichenrede in „Kannitverstan“ einen ebenso hinreißend-komischen wie souveränen „nedderlendischen Pastor“ gab. Einen Höhepunkt stellte die reduziert-tänzerische Gestaltung von Hebels Kalendergeschichte „Das unverhoffte Wiedersehen“ dar, in der das Liebespaar, dargestellt von Angie Widmer und Illia Skyrypnichenko, in einer einfühlsamen, vom Orchester und einer Harfe (Marie Lindner) begleiteten Tanzchoreografie (künstlerische Gestaltung: Mariia Lebid) die Liebe über den Tod hinaus in unvergessliche Bilder übersetzten.

Zusammengehalten wurde diese abwechslungsreiche Hommage an Hebel von fünf spritzigen Moderator:innen aus dem „Literatur- und Theater-Kurs“ (Chiara Baumbach, Sara Darvishi, Abby Dodds, Majbrit Fleig, Illia Skrypnichenko), die mit kleinen Sidekicks zu Hebels Leben und Werk Überleitungen schufen zwischen den Beiträgen von Chören, Orchester, Theater und Solisten (Felix Teige, Wynono Lunde, Alexander Betta und Nathan Langen).

Das Rätsel um den Titel „Die Gondel“ löste sich erst ganz am Ende dieser magischen Revue: Stefan Meyers Vertonung der Hebel-Verse „Die Gondel“, begleitet von einer schillernd kreisenden Discokugel (souverän die Technik: Amadou Sène und Stefan Baczkowski), vereinte Ensemble und Zuschauer in einem wunderbaren Kanon, der als Zugabe gesungen wurde und den Abend ausklingen ließ, denn „die Erde ist eine Gondel, die an der Sonne hängt und auf der wir aus einer Jahreszeit in die andere fahren “ – und wir Menschen, von Hebel bis heute, sind ihre Passagiere und dürfen sie bespielen und gestalten.

Susanne Engler und Ulrike Wohlwender-Seng

Fotos: Jochen Knöller


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